Freitag, 28. November 2008

The Sinking Island - Iceland

Video über Islands aktuelle Lage.

Mittwoch, 27. August 2008

Bless, Ísland!



Morgen geht meine Fähre! Heute werde ich deshalb den Tag im Bus verbringen, um den abgelegenen Fjord zu erreichen, wo sie abfährt.
Island hat eine Silbermedaille im Handball bekommen! Es ist die vierte Olympiamedaille die Island überhaupt bekommt. In den Medien war fast nichts anderes mehr, in der Werbung auch nicht, die Tankstellen haben das Benzin günstiger verkauft und in den Nachrichten haben sie die Public Viewings in allen möglichen Dörfern und die Familien der Spieler gezeigt. Heute werden die Spieler mit einer gigant
ischen Party in Empfang genommen.
Ele, Kerstin und ich haben noch ein paar ruhige Tage hier auf dem Hof verbracht, sind im Regen in der Lava gewandert, im Regen nachts auf dem Trampolin gesprungen, haben Vollkornbrot gebacken... Es dämmert jetzt schon viel früher und wird auch viel dunkler als bei meiner Ankunft.
Vorgestern sind Ele und Kerstin abgereist und gestern gab es noch mal ein Abenteuer: “Schafabtrieb”, obwohl man das in dieser Gegend mangels Bergen kaum so nennen kann. Um den Hof herum gibt es ein paar abgezäunte Weiden, außerhalb davon erstreckt sich das Land der Familie bis zum Meer, bis zum Fluss Eldvatn und bis zu anderen Höfen. Dort halten sich die Schafe im
Sommer aus. Gestern zogen dann drei Reiter und ein Traktorfahrer aus, um einen guten Teil davon heimzuholen. Mangels passendem Pferd ritt ich zunächst nicht mit. Als die Schafe im Stall waren, ging die eigentliche Arbeit los: Das Sortieren. Zunächst wurden die Mutterschafe von den Lämmern getrennt. Das ist manchmal gar nicht so einfach, manche Lämmer sind schon genauso groß wir ihre Mamas. Im Stall stehen die Schafe in langen Reihen und zum Sortieren kann man da Trennwände aufklappen. Das war ein Gedränge und Gescheuche. Immer wieder eine kleine Herde über den Gang in eine andere Reihe treiben, ohne dass die, die da schon drin sind, rauslaufen. Schafe sind Nachmacher. Wenn eins “Mäh” sagt, sagen alle “Mäh”. Deshalb war es ziemlich laut im Stall. Und wenn eins durch ein Tor rennt, rennen alle hinterher. Manchmal findet aber keins das Tor. Oder eins bricht aus und alle rennen hinterher. Nachdem diese erste Sortierphase beendet war, durften die Schafmamas wieder raus, diesmal auf eine abgezäunte Weide in der Nähe des Hofes. Nun ging es ans Lämmer Sortieren. Dazu wurde eine Waage in Form einer geschlossenen Gitterbox am Ende einer Reihe in die Tür gestellt. Nun galt es, die Lämmer nacheinander dort hinein zu verfrachten, ihre Ohrnummer und ihr Gewicht aufzuschreiben und über ihre Zukunft zu entscheiden: Fette Böcke bekammen einen roten Farbfleck: Schlachthof. Die, die zu leicht waren, lila: Kohlfeld. Und die, die gar nicht geschlachtet werden sollten, vor allem also zukünftige Mutterschafe grün. Im Durchschnitt woge die Lämmer 34 kg, manche über 40 und wenige unter 20. Das Gewicht der Lämmer entscheidet auch über das Schicksal ihrer Mütter, ein Schaf, das schwächliche Lämmer zur Welt bringt, hat keine Daseinsberechtigung. Das Wiegen war noch im vollen Gange, als wir eine Kaffeepause machten. Danach durfte ich auch reiten, auf einer überschaubaren Fläche am Fluss sollten wir zu dritt die Schafe zusammentreiben. Über das Pferd wurde mir vorher Schlimmes erzählt, sodass ich zunächst starr vor Angst auf seinem Rücken saß. Mit der Zeit stellte ich aber fest, dass ich es doch ganz gut im Griff hatte und störte mich nicht mehr an dem Gezappel.
Der Rest des Tages bestand dann im Wesentlichen darin, die bunten Farbpunkte zu sortieren. Die meiste Zeit waren wir zu dritt und wir hatten schnell eine Routine. Am Ende des Tages hatte ich mich daran gewöhnt, Lämmer an den Hörnern und am Fell zu packen und irgendwo hin zu schieben oder über die Boxenwand zu heben. Gegen 10 abends waren wir fertig in jeglicher Hinsicht. Und die Schafe waren auch in der Nacht nicht ruhig, wahrscheinlich fing keins damit an, mit dem Blöken aufzuhören. Määäh!

Mittwoch, 20. August 2008

Vier Tage zu Fuß


“Trekkingautobahn Islands” wird der Laugavegur bisweilen genannt. Das klingt nicht besonders attraktiv, liegt aber daran dass dieser Weg wegen seiner unglaublich vielseitigen Landschaft besonders beliebt ist. Von Reykjavík mussten dann auch drei volle Busse fahren, um alle Wanderwilligen an den Ausgangsort Landmannalaugar zu bringen. Darunter waren auch Kerstin, Ele und ich, vollbepackt mit Schlafsack, Kleidung und Essen für fünf Tage. Man erreicht Landmannalaugar nachdem man eine ausgedehnte schwarze Sandwüste und zwei kleine Flüsse durchquert hat. Dann ist man an einem grünen Fleck am Rande eines Lavafeldes zwischen Sandbergen, die in allen Farben leuchten, besonders in gelb, orange, blau, rot und grün. Ein Becken, in dem heiße und kalte Bäche zusammenlaufen und das sich deshalb ausgezeichnet zum Baden eignet, steigert die Attraktivität des Ortes noch zusätzlich. Als wir sahen, wie voll die Busse, die Hütte und der Zeltplatz waren, rechneten wir schon damit, uns auf der Wanderung wie in einer Fußgängerzone zu fühlen.
Der Tag war unglaublich klar und die Farben richtig unwirklich. Am liebsten wollte ich bei jedem Schritt weitere Fotos machen. Aber ich sorgte mich um meine beiden Akkus, die fünf Tage reichen mussten.
Trotz guter Vorsätze kamen wir in den folgenden Tagen immer erst gegen halbelf los. Das hatte den Vorteil, dass wir dann meist doch recht allein waren. Nach ein bis zwei Stunden kamen uns in der Regel die ersten Frühaufsteher aus der anderen Richtung entgegen. Das waren aber nie besonders viele, denn die meisten laufen den Weg in der gleichen Richtung wie wir.
Die Landschaft lässt sich kaum beschreiben. Dampf von heißen Quellen, bunte Berge, Lava, Moos, felsige Berge, Steine in allen Farben, Eis und Schnee, Eishöhlen, steile Auf- und Abstiege, Flussdurchquerungen, eine endlose schwarze Sandwüste, eine grüne bemooste Teletubbielandschaft, atemberaubende Aussichten. Am besten guckt ihr einfach selber die Fotos an, wie immer in meinem Flickr-Album zu finden (Link auf der rechten Seite).
Die Strecken von täglich 12 bis 18 km konnten wir selbst in unserem gemächlichen Tempo mit zahlreichen Fotostops gut bewältigen. Ich war überrascht über den offenbar guten Zustand meiner sämtlichen Körperteile, mir tat nichts weh. Mit dem Wetter hatten wir Glück, wir hatten kaum Wind (das ist in Island am wichtigsten) und auch nur wenig Regen.
Vor der Reise hatten wir uns nicht einigen können, wieviel und welches Essen es ratsam wäre mitzunehmen und hatten deshalb viel zuviel mit. Auf den Hütten machten sorgten wir so immer für Aufmerksamkeit, indem wir zum Beispiel alle zu Pfannkuchen (mit Milch- und Eipulver) einluden.
Die Wanderung war ein unvergessliches Erlebnis! Wir haben auch viel gelernt, zum Beispiel dass Gletscherflüsse morgens am wenigsten Wasser führen, dass man am besten etwas mit der Strömung geht und dass Jeepfurten sich nicht für die Durchquerung zu Fuß eignen, da sie fast immer tief ausgefahren sind. Außerdem ist uns klar geworden, was für große Previlegien wir normalerweise haben: Duschen (3,20 € für 5 Minuten und nicht in jeder Hütte vorhanden), Mülleimer (in jeder 2. Hütte) und Steckdosen (in gar keiner Hütte).Jetzt erholen wir uns auf meinem Lieblingsbauernhof im Süden, mit Gletscherblick.


Sonntag, 10. August 2008

Westfjorde

Kulturschock bei der Rückkehr nach Reykjavík, nach einer Woche Westfjorde. Wo kommen die ganzen Autos her?
Aber von Anfang an. Letzten Dienstag sind wir mit der Fähre “Baldur” von Stykkishólmur nach Brjánlslækur übergesetzt, um uns etwas Fjordkurverei zu sparen. Von der Fähre sahen wir auch einige nette kleine Inseln mit verlassenen Fischerdörfern, heute stehen da nur noch Sommerhäuser. Ein paar Kilometer vom Ankunftsort entfernt haben wir einen versteckten Hotpot aufgesucht, ein Geheimtipp. Nach einem zweistündigen Bad mit Meerblick ging es sehr entspannt weiter zum Rauðasandur, einem berühmten Strand mit rötlichem Sand und einer netten schwarzen Kirche. Die Straße dorthin führte über einen Bergpass und war unserer Meinung nach die schlimmste in den ganzen Westfjorden, als es bergab ging haben wir gezittert. Dann ging es weiter zu unserem Hostel in Breiðavík, einer Bucht mit weißem Sand, was in Island sehr selten ist (normal ist schwarzer Kies). Schon der Weg dorthin ging durch weiße Buchten in wunderschönen Fjorden. Von dort aus ging es endlich zu unserer letzten Etappe für diesen Tag, zu dem ersehnten Vogelfelsen Látrabjarg. Dort kann man auf einer Klippe entlanggehen und Papageientaucher beobachten, die in der Felswand ihre Höhle haben. Schon nach ein paar Metern standen wir direkt vor den Vögeln und verpassten völlig, zu einem Aussichtspunkt zu gehen, an dem wir die ganze 14 km Steilküste hätten überblicken können. Haben wir leider erst hinterher erfahren. Jedenfalls haben wir hunderte von Papageientaucher-Fotos in der Abendsonne. Die Herausforderung war, einen im Anflug zu erwischen. Davon haben wir leider kein scharfes Bild, trotz zweistündiger Fotosession.
In den nächsten Tagen haben wir die wunderschönen einsamen Fjorde genossen. Ein Highlight war der 100m hohe Wasserfall Dynjandi, der an einer schrägen Felswand runterläuft. Von unten sieht er gar nicht so hoch aus. Wenn man aber den Berg hochgestiegen ist und fünf kleine Wasserfällen unterhalb passiert hat, steht man plötzlich davor und fühlt sich sehr klein. Auf dem Weg gab es erfreulicherweise viele leckere Blaubeeren.
Vor unserer Abfahrt in Reykjavík und in Stykkishólmur hatten wir nicht mehr in einem günstigen Supermarkt einkaufen können, weil die wegen der Feitertage der Händler geschlossen hatten. Deshalb hatten wir nur wenige Vorräte dabei und waren enttäuscht, dass es in dem Ort Patreksfjörður, der immerhin eine Art Kreisstadt ist, kein Geschäft gab. Laut Karte sollte es im nächsten Dorf Bíldudalur eine Einkaufsmöglichkeit geben (mit einem Einkaufswagen-Symbol gekennzeichnet, hahaha). Diese stellte sich als kleines Café mit Eis-, Hotdog- und Süßigkeitenverkauf heraus. Dieses Dorf war 144 km von der nächsten größeren Stadt (Ísafjörður, 3500 Einwohner) entfernt. Die Fjorde hier sind wirklich sehr einsam, meist nur Schotterstraßen und viele verlassene Höfe. Wir hatten einen tollen Reiseführer dabei, der uns immer darüber informiert, welche Helden oder Mörder aus den alten isländischen Sagas auf diesen Höfen gewohnt haben. Ein besonderes Erlebnis auf dieser Strecke ist der 6 km lange einspurige Tunnel mit T-Kreuzung kurz vor Ísafjörður.
Am zweiten Abend wollten wir in der angeblich einsamen kleinen Bucht Skálavík zelten. Dort gab es laut Karte nur zwei verlassene Höfe. Es stellte sich aber heraus, dass auch andere diese Bucht toll fanden, es gab einige Sommerhäuser und einen Bauern, der eine Wiese mähte. Wir fanden trotzdem einen wunderbaren Platz zum zelten, mit Meerblick und blieben bis zum nächsten Mittag dort.
Der dritte Tag brachte weitere Kurverei durch einsame Fjorde. Trotzdem ist jede Gegend etwas anders und es eröffnen sich immer wieder beeindruckende Aussichten, wenn man über einen Bergrücken kommt. Natürlich hielten wir wenn möglich oft zum fotografieren, meine Bilder konnte ich bis jetzt leider nicht hochladen.
Abends erreichten wir gegen 10 die kleine Halbinsel Reykjanes. Dort gab es eine alte Internatsschule mit Thermalschwimmbecken am Meer. Heute wird dort eine Jugendherberge mit Campingplatz betrieben. Da wir als Campingplatzgäste auch Duschen, Küche und Schwimmbad nutzen durften, entschieden wir uns fürs Zelten. Die Atmosphäre an diesem Ort war etwas geisterhaft, vom Schulgebäude blätterte außen die Farbe und das Schwimmbecken wirkte auch baufällig. Aber es dampfte in der fast-dunklen Nacht und sah irgendwie toll aus neben einer Mini-Tankstelle und dem riesigen Haus. In der Schulküche zu kochen war auch toll, man konnte sich richtig vorstellen, wie dort Kinder gekocht haben.
Das Meer sah morgens noch grau aus, mittags dann aber tiefblau und der Ort wirkte im Sonnenschein völlig anders. Nach einem ausgiebigen Bad setzten wir nachmittags unsere Fjordkurverei fort. Unser Ziel war der östlichste bewohnte Zipfel der Westfjorde. Uns erwareteten 80km Schotterstraße an einer einsamen, steilen, malerischen Küste. Mit der Zeit tauchten einige Wolken auf, die die Bergspitzen nach und nach verhüllten. In der letzten Nacht im Zelt, die Berge waren fast vollständig im Nebel verschwunden, kam mir eine geniale Idee gegen kalte Füße: Ich füllte eine Plastikflasche mit dampfendem heißen Wasser aus der Leitung und benutzte sie als Wärmflasche. In dieser Nacht habe ich so gut wie nie geschlafen!
Morgen geht es los zu unserem größten Abenteuer, einer viertägigen Wanderung! Mehr Fotos auf Flickr gibt es erst in einer Woche oder so, hab gerade keine Zeit, sie auszuwählen und zu verkleinern.

Montag, 4. August 2008

Yoga auf dem Trampolin


Ele und ich sind in Westisland in wunderbarer Landschaft auf einem Hof in der Nähe von Stykkisholmur. Gestern Abend hatten wir viel Spaß auf dem Trampolin hinter dem Haus. Heute sind wir mit den Kindern der Familie im Jeep durch ein tolles Lavafeld gefahren. Dahinter fand sich ein einsames grünes Tal in dem so einige Isländer am Rande der Lava campten. In der Gegend halten sich jetzt im Sommer die Schafe des Hofes auf und werden im Herbst zurückgetrieben.
Anschließend sind wir noch auf den Helgafell gegangen, einen Hügel, dem seit der Landnahme magische Kräfte zugeschrieben werden. Man soll schweigend raufsteigen und nach Norden blickend drei Wünsche äußern. Beim Abstieg haben wir Blaubeeren gefunden, lecker!
Unsere nächste Station war die “Wasserbibliothek” einer amerikanischen Künstlerin. In einem Gebäude mit Seeblick in Stykkisholumur hat sie in Glassäulen Wasser von 24 isländischen Gletschern in Island gesammelt. Auf dem Boden stehen eine Menge Adjektive auf isländisch und englisch. Den Sinn haben wir nicht verstanden, aber vielleicht muss man das auch nicht.Als letztes sind wir auf den Leuchtturmhügel gestiegen und haben eine Fotosession gemacht. Ein toller Tag! Leider erkennt der PC hier meine Festplatte nicht, deshalb kann auf Flickr keine neuen Fotos hochladen. Morgen früh geht es weiter in die Westfjorde, mit der Fähre Baldur.


Freitag, 1. August 2008

Erholung

Die vergangene Woche in Hella war sehr schön und geruhsam. Jeden Tag ein kleiner Ausflug oder Ausritt, gute Bücher und nette Menschen... An Heklas Pferd Dynjandi musste ich mich allerdings erst gewöhnen. Er tut immer so als wäre er furchtbar schreckhaft. Sein Kumpel Hrappur, der von Hekla geritten wurde ist ärgerlicherweise tatsächlich schreckhaft und spielt gerne verrückt. Das führte dazu, dass ich ständig befürchtete, unfreiwillig nähere Bekanntschaft mit dem Straßenbelag zu machen, als wir das Dorf durchquerten und Hekla deshalb die Ohren volljammerte.

Die Fotos der letzten Tage findet ihr wie immer auf Flickr. Morgen geht es weiter nach Reykjavík. Da treffe ich Ele und wir fahren übermorgen in die einsamen Westfjorde im Nordwesten von Island. Da werden wir eine Woche unterwegs sein.

Dienstag, 29. Juli 2008

Neue Fotos

In der rechten Spalte findet ihr jetzt einen Link zu meinen Fotos, es sind ein paar neue dazu gekommen.

Montag, 28. Juli 2008

Süden

Vorgestern habe ich meine Reise nach Südwesten fortgesetzt, nun das erste Mal mit dem Bus. Ich mag diese Strecke sehr, so dass ich mir erst gar nicht vorgenommen habe, etwas zu lesen. Zunächst geht des durch die Lavafelder der Laki-Spalte. Ein Teil der Lava ist sehr alt, eine Teletubbie-Landschaft aus glatten kleinen grünen Hügeln und Pseudkratern. Letztere sind entstanden, als die Lava übers Moor floss und sich darunter Gas sammelte, welches explodierte. Diese Hügel bedecken aber nur noch eine kleine Fläche, weit mehr wurde 1783 durch neue Lava der Laki-Spalte bedeckt. Das war ein riesiger Ausbruch, der Asche über die ganze Welt verteilte. Mein isländischer Geschichtslehrer behauptete sogar, dieser Ausbruch hätte die französische Revolution verursacht, da er Missernten in Europa zur Folge hatte. Für die, die es noch nicht wussten: Island ist der Nabel der Welt. Die Lava, die sich fast bis Vík erstreckt wechselt ihr Aussehen mehrfach. Einige Stellen sind feuchter, da wächst grünes mooriges Gras zwischen den Hügeln. An anderen ist sie mit dickem graugrünem Moos und bunen Blumen bedeckt. Wo etwas Gras wächst, sieht man auch das ein oder andere Schaf, meist sind die zu dritt unterwegs, ein Mutterschaf mit zwei Lämmern. Es gibt aber auch Stellen, wo sie noch ziemlich rauh ist, schwarz, seltsam geformt und nur mit wenig Moos bewachsen. Das erinnert dann daran, dass in Island Lava, die aussieht wie ein Mensch als Troll gilt, der Sonnenlicht abgekriegt hat und deshalb erstarrt ist. Der letzte Abschnitt vor Vík ist eine weite Sandfläche. Hier ist 1996 nach einem Vulkanausbruch unter dem Vatnajökull, dem größten Gletscher Europas ein lawninenartiger Geltscherfluss langgefegt. Teile der Brücke, die es damals weggerissen hat, stehen als Denkmal am Straßenrand. In Vík hält der Bus dann eine dreiviertel Stunde. Das gibt Gelegenheit, einen der nettesten Souvenirläden des Landes zu besuchen, in dem vor allem Wollwaren verkauft werden. Außderdem reicht die Zeit für einen Spaziergang in Richtung des beliebtesten isländischen Strandes, schwarz, an der Südspitze des Landes, mit schwarzen Felsen im Wasser vor der Küste. Ein Stück weiter sind vor einer Woche zwei Deutsche fast ertrunken und vor einem Jahr kam eine Touristin ums Leben. Die Isländer haben großen Respekt vor ihrer Natur und sind sehr vorsichtig. Ausländer verschätzen sich da leicht, was die Straßen, das Wetter oder eben die mächtigen Wellen, die plötzlich auf den Strand treffen, betrifft.
Nach Vík ist der grüne Streifen zwischen dem Meer und den Bergen eine Weile recht schmal, erst beim Seljalandsfoss öffnet sich die große Ebene im Süden, die relativ dicht besiedelt ist. Hier sieht man den Vulkan Hekla und eine Menge Berge, die ich nicht kenne. Und nach einer weiteren Stunde Fahrzeit habe ich mein Ziel erreicht, das Dorf Hella.

Freitag, 25. Juli 2008

Kleinur

Heute war Backtag. Nach unserem Mittagsausritt fingen wir an, Kleinur zu backen. Das sind solche frittierten Teigkringel, die man hier zum Kaffee isst. Und da dauernd Besuch kommt, sollte man ein paar Tüten davon in der Gefriertruhe haben. Kristín erkannte schnell mein Talent, die Kleinur langsam ins heiße Öl gleiten zu lassen und sie im richtigen Moment umzudrehen und herauszuholen. Währenddessen bereiteten sie noch einen Blechkuchen und jeweils zwei Bleche Zimtschnecken mit Rosinen und mit Schokolade vor. Es waren mindestens sechs Bleche Kleinur und jetzt fühle ich mich auch frittiert. Aber lecker! :-)
Gestern war ein toller Tag. Das fing schon morgens an, als ich aufgestanden bin, da waren Svanhildur (8) und das 13-jährige Kindermädchen Ingibjörg dabei, Eis zu machen, als Nachtisch fürs Mittagessen. Nach dem Essen war dann für uns, Svanhildur, Ingibjörg und mich, der perfekte Zeitpunkt zum Ausreiten, weil die Eltern Mittagspause machten und bei Lárus blieben. Svanhildur ritt ihr eigenes Pferd Freydís, eine Stute, die gleich alt ist wie sie und die ihre Eltern nach ihrer Geburt für sie ausgesucht haben. Ingibjörg nahm Stígandi, einen netten Wallach und ich bekam Ingibjörgs alte Stute Harpa, die ich schon von meinem ersten Besuch vor 7 Jahren kenne. Wir entschieden uns für eine Runde, bei der ein Bach mehrmals zu durchqueren ist. Das erste mal ging gut, es war eine breite, flache Stelle und alle Pferde gingen brav durch. Als wir dann so über die buckelige Wiese galoppierten, fing es an zu regnen. Wir wollten uns auf den Rückweg machen und dazu den Bach an einer anderen Stelle überqueren. In diesem Bereich war der Bach schmaler und tiefer und das Ufer überall recht steil. Wir fanden eine etwas flachere Stelle, saßen ab und konnten Harpa und Stígandi überzeugen, durchs Wasser zu gehen. Freydís dachte aber gar nicht daran, ihenen zu folgen. Das steile Ufer erschien ihr offenbar äußerst gefährlich. Svanhildur wartete mit den beiden anderen Pferden, während Ingibjörg und ich alles versuchten: Locken mit Gras, treiben mit der Gerte, schmale Stellen, breite Stellen, die anderen Pferder erneut durch den Bach gehen lassen. Zum Glück hatte der Regen wieder aufgehört. Nach über einer halben Stunde hatten alle außer Freydís nasse Füße und wir gaben entnervt auf und kehrten um. Dort wo der Bach flach war, gab es keine Probleme, Freydís ging sogar als erste. Als wir auf dem Hof ankamen, fragte Kristín uns, ob wir bis nach Deutschland geritten wären, weil wir so lange unterwegs waren. Sie war etwas unzufrieden damit, wie aufgedreht Freyís war und wie sie beim Anhalten den Kopf warf.
Im Stall sagte Aggi, der hier über den Sommer arbeitet, dass er Waffeln zum Kaffee haben wollte. Ich machte Apfel-Waffeln, die auch ohne jegliches Rezept gut gelangen. Kristín hatte inzwischen festegestellt, dass Lárus gerade seine letzte Windel trug und da bestand natürlich dringender Handlungsbedarf. Wir beschlossen, den Einkauf mit einem Schwimmbadbesuch zu verbinden und so machten Aggi, Ingibjörg, Lárus, Svanhildur und ich uns auf dem Weg ins 25 km entfernte Kirkjubæjarklaustur. Dort wollten wir zuerst bei Kristíns Schwester Fanney eine Windel ausleihen und dann Schwimmen gehen. Allerdings hatte Fanneys Kindermädchen Valgerður gerade einen großen Schokoladenkuchen gebacken, den mussten wir natürlich probieren. Nach dieser Völlerei – Eis, Waffeln und Kuchen – war das Schwimmbad genau das richtige. In Island werden Freibäder durch die Erdwärme beheizt, und die Leute gehen auch bei Temperaturen schwimmen, bei denen das bei uns keiner tun würde. Lárus amüsierte sich köstlich und ich versuchte ein paar Bahnen zu schwimmen (leider habe ich vergessen zu zählen), während Valgerður Aggi über die Jugendszene und die aktuellen Liebesgeschichten des Ortes informierte. Auf dem Rückweg kauften wir noch einen Berg Windeln und Zutaten für die Kuchen der nächsten Tage. Als wir müde und zufrieden ankamen, brauchte ich kein Abendessen mehr, anscheinend war ich nicht genug geschwommen.

Donnerstag, 24. Juli 2008


Ich schreibe später weiter, der kleine Lárus ist aufgewacht...

Mittwoch, 23. Juli 2008

...

Hæ, in meinem Kopf ist alles voll mit Isländisch. Mit dem Fotos hochladen klappt es leider gerade nicht. Hier sind aber noch ein paar:
http://www.flickr.com/photos/27985660@N03/sets/72157606329490060/

Sonntag, 20. Juli 2008

Ísland



Island begrüßte uns untypisch: mit strahlendem Sonnenschein.

Eine sehr nette deutsche Familie, in einem 30 Jahre alten VW-Bus unterwegs und irgendwie verwandt mit Freunden in Südisland, hat mich auf der Fähre eingeladen, zwei Tage mit ihnen im Osten zu verbringen und Papageientaucher zu beobachten. Zunächst fuhren wir in den Borgafjörður und sahen tatsächlich Papageientaucher, die leider auf Island immer seltener werden. Auf dem Campingplatz spielten die Kinder stundenlang auf einem Erdhaufen und erzählten von Trollen, Elfen und Wikingern als sie zurück kamen.

Am nächsten Tag regnete es und das Tal lag im Nebel. Wir fuhren deshalb nachmittags weiter in Richtung Süden und fanden abends eine wunderbare Stelle zum Campen. Der nächste Morgen brachte strahlenden Sonnenschein, so dass wir auf der weichen Mooswiese zwischen Felsbrocken ewig frühstückten, die Kinder sammelten massenhaft glitzernde Steine an einem Schotterhang. Auf der weiteren Fahrt hielten wir noch an der Geltscherlagune (Jökulsárlón). Abends erreichten wir schließlich den Hof, der mein erstes Ziel war: Syðri-Fljótar im Meðalland, bei Kirkjubæjarklaustur. Der fantastische Gletscherblick auf den Mýrdalsjökull macht mich immer ganz ruhig. Jetzt geh ich raus zum reiten!

Dienstag, 15. Juli 2008

Føroyar

Am 14.07.08 nach zwei Tagen und einer Nacht auf See mit der Norröna auf den Färöer Inseln angekommen. Fischkutter, Sprühregen, Wind, eine entzückende Sprache: Aussprache vollkommen unverständlich, Schrift aber leicht zu verstehen, wenn man Isländisch kann. Busplan noch unverständlicher als die Sprache, die Haltestllen haben keine Namen und stehen auch nicht alle im Plan, zur Jugendherberge fährt kein Bus. Am zweiten Tag plötzlich Sonnenschein und ein völlig anderes Land mit unwirklich leuchtenden Farben.