Sonntag, 10. August 2008

Westfjorde

Kulturschock bei der Rückkehr nach Reykjavík, nach einer Woche Westfjorde. Wo kommen die ganzen Autos her?
Aber von Anfang an. Letzten Dienstag sind wir mit der Fähre “Baldur” von Stykkishólmur nach Brjánlslækur übergesetzt, um uns etwas Fjordkurverei zu sparen. Von der Fähre sahen wir auch einige nette kleine Inseln mit verlassenen Fischerdörfern, heute stehen da nur noch Sommerhäuser. Ein paar Kilometer vom Ankunftsort entfernt haben wir einen versteckten Hotpot aufgesucht, ein Geheimtipp. Nach einem zweistündigen Bad mit Meerblick ging es sehr entspannt weiter zum Rauðasandur, einem berühmten Strand mit rötlichem Sand und einer netten schwarzen Kirche. Die Straße dorthin führte über einen Bergpass und war unserer Meinung nach die schlimmste in den ganzen Westfjorden, als es bergab ging haben wir gezittert. Dann ging es weiter zu unserem Hostel in Breiðavík, einer Bucht mit weißem Sand, was in Island sehr selten ist (normal ist schwarzer Kies). Schon der Weg dorthin ging durch weiße Buchten in wunderschönen Fjorden. Von dort aus ging es endlich zu unserer letzten Etappe für diesen Tag, zu dem ersehnten Vogelfelsen Látrabjarg. Dort kann man auf einer Klippe entlanggehen und Papageientaucher beobachten, die in der Felswand ihre Höhle haben. Schon nach ein paar Metern standen wir direkt vor den Vögeln und verpassten völlig, zu einem Aussichtspunkt zu gehen, an dem wir die ganze 14 km Steilküste hätten überblicken können. Haben wir leider erst hinterher erfahren. Jedenfalls haben wir hunderte von Papageientaucher-Fotos in der Abendsonne. Die Herausforderung war, einen im Anflug zu erwischen. Davon haben wir leider kein scharfes Bild, trotz zweistündiger Fotosession.
In den nächsten Tagen haben wir die wunderschönen einsamen Fjorde genossen. Ein Highlight war der 100m hohe Wasserfall Dynjandi, der an einer schrägen Felswand runterläuft. Von unten sieht er gar nicht so hoch aus. Wenn man aber den Berg hochgestiegen ist und fünf kleine Wasserfällen unterhalb passiert hat, steht man plötzlich davor und fühlt sich sehr klein. Auf dem Weg gab es erfreulicherweise viele leckere Blaubeeren.
Vor unserer Abfahrt in Reykjavík und in Stykkishólmur hatten wir nicht mehr in einem günstigen Supermarkt einkaufen können, weil die wegen der Feitertage der Händler geschlossen hatten. Deshalb hatten wir nur wenige Vorräte dabei und waren enttäuscht, dass es in dem Ort Patreksfjörður, der immerhin eine Art Kreisstadt ist, kein Geschäft gab. Laut Karte sollte es im nächsten Dorf Bíldudalur eine Einkaufsmöglichkeit geben (mit einem Einkaufswagen-Symbol gekennzeichnet, hahaha). Diese stellte sich als kleines Café mit Eis-, Hotdog- und Süßigkeitenverkauf heraus. Dieses Dorf war 144 km von der nächsten größeren Stadt (Ísafjörður, 3500 Einwohner) entfernt. Die Fjorde hier sind wirklich sehr einsam, meist nur Schotterstraßen und viele verlassene Höfe. Wir hatten einen tollen Reiseführer dabei, der uns immer darüber informiert, welche Helden oder Mörder aus den alten isländischen Sagas auf diesen Höfen gewohnt haben. Ein besonderes Erlebnis auf dieser Strecke ist der 6 km lange einspurige Tunnel mit T-Kreuzung kurz vor Ísafjörður.
Am zweiten Abend wollten wir in der angeblich einsamen kleinen Bucht Skálavík zelten. Dort gab es laut Karte nur zwei verlassene Höfe. Es stellte sich aber heraus, dass auch andere diese Bucht toll fanden, es gab einige Sommerhäuser und einen Bauern, der eine Wiese mähte. Wir fanden trotzdem einen wunderbaren Platz zum zelten, mit Meerblick und blieben bis zum nächsten Mittag dort.
Der dritte Tag brachte weitere Kurverei durch einsame Fjorde. Trotzdem ist jede Gegend etwas anders und es eröffnen sich immer wieder beeindruckende Aussichten, wenn man über einen Bergrücken kommt. Natürlich hielten wir wenn möglich oft zum fotografieren, meine Bilder konnte ich bis jetzt leider nicht hochladen.
Abends erreichten wir gegen 10 die kleine Halbinsel Reykjanes. Dort gab es eine alte Internatsschule mit Thermalschwimmbecken am Meer. Heute wird dort eine Jugendherberge mit Campingplatz betrieben. Da wir als Campingplatzgäste auch Duschen, Küche und Schwimmbad nutzen durften, entschieden wir uns fürs Zelten. Die Atmosphäre an diesem Ort war etwas geisterhaft, vom Schulgebäude blätterte außen die Farbe und das Schwimmbecken wirkte auch baufällig. Aber es dampfte in der fast-dunklen Nacht und sah irgendwie toll aus neben einer Mini-Tankstelle und dem riesigen Haus. In der Schulküche zu kochen war auch toll, man konnte sich richtig vorstellen, wie dort Kinder gekocht haben.
Das Meer sah morgens noch grau aus, mittags dann aber tiefblau und der Ort wirkte im Sonnenschein völlig anders. Nach einem ausgiebigen Bad setzten wir nachmittags unsere Fjordkurverei fort. Unser Ziel war der östlichste bewohnte Zipfel der Westfjorde. Uns erwareteten 80km Schotterstraße an einer einsamen, steilen, malerischen Küste. Mit der Zeit tauchten einige Wolken auf, die die Bergspitzen nach und nach verhüllten. In der letzten Nacht im Zelt, die Berge waren fast vollständig im Nebel verschwunden, kam mir eine geniale Idee gegen kalte Füße: Ich füllte eine Plastikflasche mit dampfendem heißen Wasser aus der Leitung und benutzte sie als Wärmflasche. In dieser Nacht habe ich so gut wie nie geschlafen!
Morgen geht es los zu unserem größten Abenteuer, einer viertägigen Wanderung! Mehr Fotos auf Flickr gibt es erst in einer Woche oder so, hab gerade keine Zeit, sie auszuwählen und zu verkleinern.

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