Mittwoch, 27. August 2008

Bless, Ísland!



Morgen geht meine Fähre! Heute werde ich deshalb den Tag im Bus verbringen, um den abgelegenen Fjord zu erreichen, wo sie abfährt.
Island hat eine Silbermedaille im Handball bekommen! Es ist die vierte Olympiamedaille die Island überhaupt bekommt. In den Medien war fast nichts anderes mehr, in der Werbung auch nicht, die Tankstellen haben das Benzin günstiger verkauft und in den Nachrichten haben sie die Public Viewings in allen möglichen Dörfern und die Familien der Spieler gezeigt. Heute werden die Spieler mit einer gigant
ischen Party in Empfang genommen.
Ele, Kerstin und ich haben noch ein paar ruhige Tage hier auf dem Hof verbracht, sind im Regen in der Lava gewandert, im Regen nachts auf dem Trampolin gesprungen, haben Vollkornbrot gebacken... Es dämmert jetzt schon viel früher und wird auch viel dunkler als bei meiner Ankunft.
Vorgestern sind Ele und Kerstin abgereist und gestern gab es noch mal ein Abenteuer: “Schafabtrieb”, obwohl man das in dieser Gegend mangels Bergen kaum so nennen kann. Um den Hof herum gibt es ein paar abgezäunte Weiden, außerhalb davon erstreckt sich das Land der Familie bis zum Meer, bis zum Fluss Eldvatn und bis zu anderen Höfen. Dort halten sich die Schafe im
Sommer aus. Gestern zogen dann drei Reiter und ein Traktorfahrer aus, um einen guten Teil davon heimzuholen. Mangels passendem Pferd ritt ich zunächst nicht mit. Als die Schafe im Stall waren, ging die eigentliche Arbeit los: Das Sortieren. Zunächst wurden die Mutterschafe von den Lämmern getrennt. Das ist manchmal gar nicht so einfach, manche Lämmer sind schon genauso groß wir ihre Mamas. Im Stall stehen die Schafe in langen Reihen und zum Sortieren kann man da Trennwände aufklappen. Das war ein Gedränge und Gescheuche. Immer wieder eine kleine Herde über den Gang in eine andere Reihe treiben, ohne dass die, die da schon drin sind, rauslaufen. Schafe sind Nachmacher. Wenn eins “Mäh” sagt, sagen alle “Mäh”. Deshalb war es ziemlich laut im Stall. Und wenn eins durch ein Tor rennt, rennen alle hinterher. Manchmal findet aber keins das Tor. Oder eins bricht aus und alle rennen hinterher. Nachdem diese erste Sortierphase beendet war, durften die Schafmamas wieder raus, diesmal auf eine abgezäunte Weide in der Nähe des Hofes. Nun ging es ans Lämmer Sortieren. Dazu wurde eine Waage in Form einer geschlossenen Gitterbox am Ende einer Reihe in die Tür gestellt. Nun galt es, die Lämmer nacheinander dort hinein zu verfrachten, ihre Ohrnummer und ihr Gewicht aufzuschreiben und über ihre Zukunft zu entscheiden: Fette Böcke bekammen einen roten Farbfleck: Schlachthof. Die, die zu leicht waren, lila: Kohlfeld. Und die, die gar nicht geschlachtet werden sollten, vor allem also zukünftige Mutterschafe grün. Im Durchschnitt woge die Lämmer 34 kg, manche über 40 und wenige unter 20. Das Gewicht der Lämmer entscheidet auch über das Schicksal ihrer Mütter, ein Schaf, das schwächliche Lämmer zur Welt bringt, hat keine Daseinsberechtigung. Das Wiegen war noch im vollen Gange, als wir eine Kaffeepause machten. Danach durfte ich auch reiten, auf einer überschaubaren Fläche am Fluss sollten wir zu dritt die Schafe zusammentreiben. Über das Pferd wurde mir vorher Schlimmes erzählt, sodass ich zunächst starr vor Angst auf seinem Rücken saß. Mit der Zeit stellte ich aber fest, dass ich es doch ganz gut im Griff hatte und störte mich nicht mehr an dem Gezappel.
Der Rest des Tages bestand dann im Wesentlichen darin, die bunten Farbpunkte zu sortieren. Die meiste Zeit waren wir zu dritt und wir hatten schnell eine Routine. Am Ende des Tages hatte ich mich daran gewöhnt, Lämmer an den Hörnern und am Fell zu packen und irgendwo hin zu schieben oder über die Boxenwand zu heben. Gegen 10 abends waren wir fertig in jeglicher Hinsicht. Und die Schafe waren auch in der Nacht nicht ruhig, wahrscheinlich fing keins damit an, mit dem Blöken aufzuhören. Määäh!

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