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Süden
Vorgestern habe ich meine Reise nach Südwesten fortgesetzt, nun das erste Mal mit dem Bus. Ich mag diese Strecke sehr, so dass ich mir erst gar nicht vorgenommen habe, etwas zu lesen. Zunächst geht des durch die Lavafelder der Laki-Spalte. Ein Teil der Lava ist sehr alt, eine Teletubbie-Landschaft aus glatten kleinen grünen Hügeln und Pseudkratern. Letztere sind entstanden, als die Lava übers Moor floss und sich darunter Gas sammelte, welches explodierte. Diese Hügel bedecken aber nur noch eine kleine Fläche, weit mehr wurde 1783 durch neue Lava der Laki-Spalte bedeckt. Das war ein riesiger Ausbruch, der Asche über die ganze Welt verteilte. Mein isländischer Geschichtslehrer behauptete sogar, dieser Ausbruch hätte die französische Revolution verursacht, da er Missernten in Europa zur Folge hatte. Für die, die es noch nicht wussten: Island ist der Nabel der Welt. Die Lava, die sich fast bis Vík erstreckt wechselt ihr Aussehen mehrfach. Einige Stellen sind feuchter, da wächst grünes mooriges Gras zwischen den Hügeln. An anderen ist sie mit dickem graugrünem Moos und bunen Blumen bedeckt. Wo etwas Gras wächst, sieht man auch das ein oder andere Schaf, meist sind die zu dritt unterwegs, ein Mutterschaf mit zwei Lämmern. Es gibt aber auch Stellen, wo sie noch ziemlich rauh ist, schwarz, seltsam geformt und nur mit wenig Moos bewachsen. Das erinnert dann daran, dass in Island Lava, die aussieht wie ein Mensch als Troll gilt, der Sonnenlicht abgekriegt hat und deshalb erstarrt ist. Der letzte Abschnitt vor Vík ist eine weite Sandfläche. Hier ist 1996 nach einem Vulkanausbruch unter dem Vatnajökull, dem größten Gletscher Europas ein lawninenartiger Geltscherfluss langgefegt. Teile der Brücke, die es damals weggerissen hat, stehen als Denkmal am Straßenrand. In Vík hält der Bus dann eine dreiviertel Stunde. Das gibt Gelegenheit, einen der nettesten Souvenirläden des Landes zu besuchen, in dem vor allem Wollwaren verkauft werden. Außderdem reicht die Zeit für einen Spaziergang in Richtung des beliebtesten isländischen Strandes, schwarz, an der Südspitze des Landes, mit schwarzen Felsen im Wasser vor der Küste. Ein Stück weiter sind vor einer Woche zwei Deutsche fast ertrunken und vor einem Jahr kam eine Touristin ums Leben. Die Isländer haben großen Respekt vor ihrer Natur und sind sehr vorsichtig. Ausländer verschätzen sich da leicht, was die Straßen, das Wetter oder eben die mächtigen Wellen, die plötzlich auf den Strand treffen, betrifft.
Nach Vík ist der grüne Streifen zwischen dem Meer und den Bergen eine Weile recht schmal, erst beim Seljalandsfoss öffnet sich die große Ebene im Süden, die relativ dicht besiedelt ist. Hier sieht man den Vulkan Hekla und eine Menge Berge, die ich nicht kenne. Und nach einer weiteren Stunde Fahrzeit habe ich mein Ziel erreicht, das Dorf Hella.
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